200. Todestag von Johann Friedrich Oberlin

Dem Kita-Vordenker widmet sich das Museum im elsässischen Waldersbach

Alle, die es in den Ferien in die Vogesen zieht, könnten den 1. Juni zum Anlass nehmen, das Museum Oberlin, das Musée Oberlin, in Waldersbach im Elsass zu entdecken. Als "Visionär des Himmels und Arbeiter auf Erden" betitelt das Museum den Pfarrer, Pädagogen, Botaniker und Verfechter der Menschenrechte (1740-1826), der vor 200 Jahren starb und in ganzheitlicher Bildung den Weg in eine menschenfreundliche und nachhaltig wirkende Gesellschaft sah. Mit vielfältigen Reformen sicherte er die Existenz der Menschen im Steintal und weitete den Blick der Pädagogik für die Entwicklung kleiner Kinder. 
 
 

Wissen über Kräuter gehörte für Oberlin dazu - auch bei Kindern.
Der Pfarrer, Pädagoge, Botaniker und Verfechter der Menschenrechte Johann Friedrich Oberlin (1740-1826)gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Elsass des 18. Jahrhunderts. Sein Ziel war es, eine neue Gesellschaft zu errichten; der Weg dorthin die ganzheitliche Bildung des Menschen in seiner Lebenswelt: Intellekt, Handwerk, Kunst, Wirtschaft, Spiritualität. Sein Werk kann als Sinnsuche, als Suche nach dem goldenen Mittelweg aufgefasst werden.
Um die Lebensbedingungen der Bewohner des Steintals im Elsass zu verbessern, stellt Oberlin damals ein echtes wirtschaftliches und soziales Entwicklungsprogramm auf die Beine: effizientere Nutzung der natürlichen Ressourcen der Region, Ausbau der Verkehrswege, Einrichtung einer Hilfs- und Kreditkasse, Förderung des Handwerks und der Textilindustrie, Einführung neuer Kulturpflanzen etc.
Seine Gedanken zur Pädagogik und Erziehung stehen unter dem Einfluss der pietistischen Herrnhuter Tradition und am Ursprung des Konzept des Kindergartens bzw. der Vorschule. 1769 gründet er die ersten „Strickschulen“, die er sog. „Kleinkinderlehrerinnen“ anvertraut. In diesen „Kleinkinderschulen“ wird eine Pädagogik der Öffnung zur Welt praktiziert, welche die Achtung des Rhythmus des Kindes erstmals zum Prinzip der Erziehung erhebt. Leibesübungen zur Ertüchtigung des Körpers, die praktische Umsetzung des Gelernten und die Nutzung des Spieltriebs für den Lernprozess ergänzen das pädagogische Programm.
(Der Text ist entnommen dem Porträt von Johann Friederich Oberlin auf der Internetseite des Museums: https://musee-oberlin.org/de/entdecken/johann-friedrich-oberlin/